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Anthrachinone-Farbstoffe

Anthrachinone Farbstoffe aus der Gruppe der Anthrachinone sind meist der Hauptfarbstoff in rot und orange färbenden Pflanzen und Tieren.

In vielen Teilen der Welt wurden bereits seit alten Zeiten Anthrachinonfarbstoffe als Beizenfarbstoffe verwendet. Der bekannteste Farbstoff ist das Alizarin.

Von uns verwendete anthrachinonhaltige Färberpflanzen und -tiere sind:

Krapp (Rubia tinctorum L.)
Cochenille (Dactylopius coccus)



Krapp oder Färberröte (Rubia tinctorum L.)

engl.: Madder; franz.: Garance des teinturies; ital.: Robbia domestica

Herkunft: Vorderasien

Färbende Pflanzenteile: die getrocknete Wurzel der mindestens dreijährigen Pflanze


Krapp gilt als eine der ältesten Pflanzen für Textilfarben. Bereits die Ägypter, Griechen und Römer verwendeten ihn. In den Schriften von Hippokrates wie auch von Pedanios Dioscurides wurde der Krapp erwähnt. So wissen wir auch, dass er bereits zu dieser Zeit bei Tabiane in Galatien, bei Ravenna in Italien und in Karien angebaut wurde. Nun folgt eine Zeit, wo die Nachrichten verstummen, erst im 7. Jahrhundert wird in der Nähe von St. Denis bei Paris wieder vom Krapp berichtet. Durch Karl den Grosse (768-814) gehört hundert Jahre später der Krapp zu den Pflanzen, welche auf seinen Gütern kultiviert wurden, wie aus den ‚Capitulare de villis‘ zu entnehmen ist.

Gegen Ende des 15. Jahrhundert hat der Krappanbau in Holland eine Blüte erreicht, welche für den Reichtum Hollands zu dieser Zeit verantwortlich war. Bereits 1504 wurde auch in Schlesien nach einer Breslauer Röteverordnung Krapp angebaut, welcher von mittlerer Qualität war.

In Südfrankreich, im Gebiet der ausgetrockneten Sümpfe, wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Krappkultur aufgebaut. Dieser Krapp wurde in den Folgejahren zum berühmtesten in ganz Europa. Später wurde der Krappanbau auch im Elsass, nach einem erfolglosen Versuch im 16. Jahrhundert, wieder aufgenommen. Es bildeten sich blühende Krappkulturen bei Hagenau, Bischwiller und Strassburg. Frankreich wurde zum wichtigsten Exporteur von Krapp. Im Jahre 1868, als Graebe und Liebermann erstmals Alizarin synthetisch herstellten, war der aus Frankreich exportierte Krapp 25 Millionen Franc wert.


Rubia tinctorum wird in der Homöopathie zur Behandlung von Nierenleiden und Blasensteinen verwendet
Krapp
(Rubia tinctorum L.)


Cochenille oder Kermeslaus
Amerikanische Cochenille (Dactylopius coccus)

engl.: Cochineal; franz.: Cochenille; ital.: Cocciniglia

Herkunft: Zentral- und Südamerika

Färbende Pflanzenteile: Die befruchteten, getrockneten Weibchen enthalten den Farbstoff Karminsäure

Erste Textilfunde stammen aus Mittel- uns Südamerika, da die Dactylopius-Spezies nur dort heimisch war. Der Cochenille-Farbstoff war bereits in der peruanischen Parcas-Kultur verwendet worden.

Erste Anwendungen in Europa sind aus Spanien bekannt. Als die Spanier 1512 in Mexiko landeten, lernten sie einen roten Farbstoff kennen, der den heimischen Kermes zu verdrängen vermochte. Um 1523 begann der Export von Cochenille an den spanischen Hof und wurde nach Gold und Silber die wichtigste Importware aus den spanischen Kolonien in Südamerika.

Der Rückgang von Cochenille begann im Jahre 1856 mit der Einführung des Fuchsin. Durch die Einführung des Azofarbstoffes von z.B. Cochnillerot A wurde ab 1878 die Cochenillezucht unrentabel und wurde weitgehendst aufgegeben.


Polnische Cochenille (Porphyrophor apolonica)

engl.: Polish Cochinela, St. John’s Blood; franz.: Cochenille de Pologne; ital.: Sangue die S. Giovanni, Cocco polonico

Herkunft: Mittel- und Osteuropa

Färbende Pflanzenteile: Die befruchteten, getrockneten Weibchen enthalten den Farbstoff Karminsäure

Möglicherweise wurde die polnische Cochenille bereits in vorchristlicher Zeit verwendet, dies kann aber weder durch römische noch griechische Autoren bewiesen werden. Erste Funde stammen aus Ägypten und Syrien aus römisch-hellenistischen Zeiten. Erste Erwähnung findet die Polnische Cochenille in der Verordnung der karolingischen Meierhöfe Karl des Grossen im frühen Mittelalter. In der Zeit von 1450- 1600 wurde auf vielen roten Textilien die Polnische Cochenille nachgewiesen. Besonders ausgeprägte Funde stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert auf Seiden- Seidensamt- und Seidenbrokatmustern aus Lucca, Florenz und Venedig.

Um 1672 wurde die Ernte der Polnische Cochenille in der Ukraine an die Juden verpachtet, welche den Farbstoff den Armenier und Türken verkauften. Diese färbten damit Wolle und Seide, aber auch die Mähnen und Schweife der Pferde. Die türkischen Frauen bemalten die Fingernägel damit und die Holländer mischten sie mit Amerikanischer Cochenille zu färberischen Zwecken.


Armenische Cochenille (Porphyorophorat hameli)

Herkunft:Armenien, Azerbeidjan

Färbende Pflanzenteile: Die befruchteten, getrockneten Weibchen enthalten den Farbstoff Karminsäure

Erste Indizien zeigen das die Armenische Cochenille bereits im 8. Jahrhundert v.d.Z. angewendet wurde. In Aufzeichnungen aus dem Beuteschatz von Sargon II von Assyrien nach dem Angriff auf das Königreich von Van oder Urartu ist von ‚scharlach‘ färbenden Kleidern die Sprache. Später scheint die Armenische Cochenille ein wichtiges Handelsgut geworden zu sein. Es konnten auf ägyptischen Textilien aus dem 5. bis 7. Jahrhundert u.Z. Karminsäure nachgewiesen werden, welche damals nur von der Armenischen Cochenille stammen konnte. Der gleiche Farbstoff wurde auch auf nubischen und hebräischen Textilien gefunden.
Cochenille
(Dactylopius coccus